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Funke : Protest vor laufenden Kameras

Vor laufenden Kameras

Kundgebung vor dem Funke-Haus in Hamburg schlägt Wellen

150 Beschäftigte für Verlängerung des Rationalisierungsschutzabkommens
Kundgebung vor dem Funke Haus: Axel Ritscher am Magafon Roland Magunia Der Betriebsratsvorsitzende spricht

 

Die Gewerkschaften ver.di und DJV hatten zur Kundgebung vor dem Haus der Funke Mediengruppe in Hamburg aufgerufen. Zentrale Forderung: Verlängerung des Rationalisierungsschutzabkommens, das in allen Hamburger Funke-Betrieben gilt und kurz vor dem Übergang von Axel Springer zu Funke 2014 neu abgeschlossen wurde. Grund für die Empörung in den Funke-Betrieben: Funke ist nicht einmal zu Verhandlungen bereit.

 Nach vielen Debatten in Betriebsversammlungen, Postkartenaktionen im Betrieb und in der Stadt wurde jetzt der nächste Schritt in die Öffentlichkeit gemacht. Mehr als 150 Beschäftigte kamen zusammen, selbst entworfene Plakate zu den einzelnen Problem-Themen getragen und alles zusammengefasst in einem großen Transparent: „Funke Mediengruppe: Erst kommt ESSEN, dann kommt die Moral!“ Axel Ritscher, Betriebsratsvorsitzender der Hamburger Zeitungsgruppe („Hamburger Abendblatt“) sprach für alle Betriebsräte und Beschäftigten: „Nie wieder 2. Liga!“

 Gekommen waren Beschäftigte und Betriebsräte aus dem Zeitungsbereich (u.a. der „Bergedorfer Zeitung“), den Zeitschriften (Programm- und Frauenzeitschriften). Großen Beifall erhielten alle, die die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Essener Konzernspitze kritisierten. Als Sprecher aus anderen Medienkonzernen dabei: Holger Artus, Betriebsratsvorsitzender bei der Hamburger Morgenpost, Frank Donnowitz, Betriebsratsvorsitzender bei Gruner + Jahr.

 Offenbar ist das Management von der Kundgebung völlig überrascht worden. Kurz zuvor wurden Betriebsrat und Aktive der Frauenzeitschriften in die Chefetage zitiert. Da bei den Frauenzeitschriften schon länger Sorgen vorherrschen, ob der Standort Hamburg gesichert sei, wurde allein durch die Kundgebung ein Teilerfolg erreicht: Eilig gab das Management eine Standortgarantie bekannt.

 Schnell musste auch Funke in Essen reagieren: Prominent berichtete Meedia über die Forderungen der Gewerkschaften und die Kundgebung. Funke ist erfahrungsgemäß kein großer Meister in der Öffentlichkeitsarbeit – was sie schon mehrfach unter Beweis gestellt haben. Nun kamen etwas übereilt die Dementis. Allerdings umging man die Hauptforderung: nach Verhandlungen. Dass nun auch durch den NDR (Hamburg-Journal und fortlaufende Meldung in „Zapp“) Kundgebung und Forderungen von Gewerkschaften und Betriebsräten aufgegriffen wird, erhöht den Druck auf die Essener Zentrale.

 Die Aktiven sind jetzt mehr denn je entschlossen weiterzumachen.

P.S.: Und was die Kameras so eingefangen haben, sieht man auf der Website des NDR